Wer an Spionageabwehr denkt, denkt an Technik: Verschlüsselung, Zugangskontrollen, abhörsichere Räume. Die verwundbarste Stelle jeder Organisation ist aber ein Mensch, der in einem entscheidenden Moment etwas sagt, das er nicht sagen sollte. Die gute Nachricht: Wie Menschen diesen Moment überstehen, ist gut erforscht.
Die Idee der Impfung
In den 1960er Jahren entwickelte die Sozialpsychologie die Inokulationstheorie. Die Analogie ist medizinisch: So wie eine Impfung den Körper mit einer abgeschwächten Form eines Erregers konfrontiert, konfrontiert eine psychologische Impfung den Menschen mit einer abgeschwächten Form eines Überzeugungsversuchs, zusammen mit dem Werkzeug, ihn zu entkräften. Papageorgis und McGuire zeigten 1961, dass so vorbereitete Überzeugungen später auch starken und neuen Angriffen standhalten.
Was die aktuelle Forschung zeigt
Die Forschungsgruppen um Sander van der Linden und Stephan Lewandowsky haben den Ansatz in den letzten Jahren auf Manipulation und Desinformation übertragen. Eine 2026 veröffentlichte Neuauswertung von 33 Experimenten mit über 37.000 Teilnehmenden kommt zu einem wichtigen Ergebnis: Solche Trainings verbessern die Fähigkeit, verlässliche von manipulativen Inhalten zu unterscheiden, ohne die Teilnehmenden pauschal misstrauischer zu machen.
Für Unternehmen ist das entscheidend. Niemand braucht Mitarbeitende, die jedem Gesprächspartner misstrauen. Gebraucht werden Menschen, die erkennen, wann aus einem Gespräch eine Anbahnung wird.
Druck aushalten lernen
Die zweite Forschungslinie stammt aus der klinischen Psychologie. Das Stress Inoculation Training nach Donald Meichenbaum bereitet Menschen schrittweise auf belastende Situationen vor. Eine Meta-Analyse von Saunders, Driskell, Hall und Salas über 37 Studien fand deutliche Effekte auf Leistungsangst und Anspannung sowie eine bessere Leistung unter Druck. Bemerkenswert: Übungen mit inneren Bildern senkten die Angst am stärksten, Rollenspiele verbesserten das Handeln am stärksten.
Was das für Sentia bedeutet
- Anbahnung wird vorab erlebbar gemacht, in abgeschwächter, sicherer Form.
- Die Teilnehmenden lernen nicht nur Regeln, sondern üben Antworten, bis sie unter Druck verfügbar sind.
- Die Arbeit mit inneren Bildern, die aus der Katathym-imaginativen Psychotherapie stammt, bereitet emotional auf den Ernstfall vor.
- Angekündigte Simulationen mit Rollenspielern übertragen das Gelernte ins Handeln.
Auch Staaten setzen inzwischen auf diesen Ansatz. Schweden hat eine eigene Behörde für psychologische Verteidigung eingerichtet. Sentia bringt dieselbe Logik dorthin, wo sie in Unternehmen am meisten zählt: zu den einzelnen Menschen mit Zugang.
Weiterführend: Simchon, Lewandowsky, van der Linden et al. (2026) · Saunders et al. (1996) · Inoculation and prebunking · Swedish Psychological Defence Agency




